Von Deep Receive am 29.03.2008
Wie schrieb Cup Of Dreams doch einmal so treffend zu diesem Album: "Der Film im Kopf", aber nicht nur Film, hinter "Journey to Cetus" steht auch eine Geschichte. Thomas Nolte veröffentlichte diese allerdings erst gut ein Jahr nach Erscheinen das Albums, um den Hörer, frei von Vorgaben, selbst eine Story entwickeln zu lassen. Nun ist die Story des Autors auch hier auf MoM zu lesen und jeder mag selbst entscheiden, wie weit die eigene Interpretation deckungsgleich mit der von Thomas ist oder in andere Richtungen tendiert.
"Journey to Cetus" präsentiert inhaltlich Science-Fiction und Fantasy, verpackt in deutlich themenorientierte Kompositionen und Arrangements. Der Gesamtsound des Werkes bewegt sich auf progressiven Pfaden, klassisches Rock-Ambiente ist ebenso zu finden wie sphärische Klangbilder und dramatische Exkurse, wie man sie aus den Soundtracks kennt. Thomas Nolte scheut sich nicht vor extremen Tempo- und Melodiewechseln innerhalb kürzester Zeit und macht den Genuss von "Journey to Cetus" zu einer wahren, musikalischen Achterbahnfahrt.
Während die ersten Tracks "Whales Voyage" und "Confusion" den Hörer mit auf eine ca. 10-minütige Startbahn nehmen, verbindet "Conqueror" schliesslich, unmissverständlich, wohin die Reise geht, zu einem der absoluten Album-Highlights: "The Black Hole" reisst den Hörer titelgerecht mit sich, dramatisch, bisweilen brachial und unerbittlich in seiner Konsequenz. Sphärische Flächen werden von schreienden Gitarrensounds zerrissen, ein donnerndes Bassfundament, düstere Vocals und anheizende Soli treiben das logische Modell immer weiter an. Erst die letzte Minute lässt den Zuhörer wieder in beruhigendere Gefilde gleiten. In "Tau Ceti" und "Atmosphere" wird die Reise fortgesetzt. Wunderschöne Klangteppiche, getragen von immer wieder treibenden Rhythmen und gewaltigen Drumeinlagen.
"Landcsape Explorer" stellt die Einleitung zum Rest der CD dar und liefert Sounds mit Hörspielcharacter. So hört man das Öffnen der "Schiffsluke", das Hinaustreten eines imaginären Protargonisten ebenso, wie Umweltgeräusche. Der Track wandert übergangslos nach "The Secret of Deneb Kaitos", in dem, trotz aller dargestellten Mystik, klare Pop-Rock-Elemente auszumachen sind.
"Escape" und "Fear and Hope" beenden den kleinen Ausflug in unbekanntes Terrain schliesslich. "NGC-246" klingt wieder regelrecht fröhlich und beschwingt; was mögen die Herren Piloten da nur zu sich genommen haben?
Bei "Nebula" geht es wieder sehr variabel zur Sache, orchestral, melodiös und "poppig" im positiven Sinne. "Survival" nimmt sich direkt des Grundthemas von "Nebula" an und beendet schliesslich mit elektronischen Klängen diesen ersten Part von "Journey to Cetus", nicht ohne Cliffhanger.
Fazit: "Journey to Cetus" bietet ihn, den Film im Kopf. Thomas Nolte bietet mit seinem Erstling nicht nur ein sehr durchdachtes, logisches Konzept, er lässt dem Hörer auch gleichzeitig viel Spielraum für Eigeninterpretationen. Musikalisch bedient sich "Journey to Cetus" in vielen Genres; Klassische Akzente werden ebenso gesetzt wie solche des Progressiv-Rock. Es gibt Ausbrüche in die Welt des Pop, des Elektro und selbst Metal-Komponenten sind zu hören.
Mix und Mastering (letzteres übrigens von Ingo Vogelmann) sind absolut professionell und über jeden Zweifel erhaben, gibt es "Journey to Cetus" doch auch in einer 5.1-Variante. Wohl dem, der über grossvolumige Lautsprecher und einen ebensolchen Subwoofer verfügt. Auch stressresistente Nachbarn, oder solche, die gerne mithören sind von immensem Vorteil. Stimmt der Sound der Anlage, entfalltet "Journey to Cetus" seine ganze dynamische Suggestivkraft. Auf ehefraukompatiblen Krawallbüchsen abgespielt ist dieses Album "Perlen vor die Säue".
Eine Anmerkung sei noch gestattet: Die Hörproben hier auf MoM sind auch als solche zu verstehen. Sie liegen hier als Einzel-Tracks vor und sind damit aus dem Zusammenhang gerissen, es sei denn, man hört sie vom ersten bis zum letzten durch. Natürlich kann man die einzelnen Tracks auch runterladen, doch die Wandlung von mp3 nach cda sowie die u.U. entstehenden Lücken mindern die Qualität.
"Journey to Cetus" ist in vielen Online-Shops wie hier, bei Amazon.de zu haben, kann aber auch direkt beim Autor bestellt werden, email an thnolte@t-online.de genügt.
Michael -mice- Herrmann
im März 2008
für MyOwnMusic |